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русский русский
  Verein zur Unterstützung von russisch sprechenden Mitbürgern in Deutschland  

 

Maria Fedorovna – Prinzessin von Baden-Württemberg,
große Fürstin und russische Zarin


Anna Leonteva

In russischer Geschichte war die Frage der Thronfolge eine der wichtigsten und schmerzhaftesten. Es ist bekannt, dass bis zum Beginn des 18. Jahrhundert bei der Eheschließung der Zaren die Bräute aus russischen Frauen ausgesucht wurden. Peter der Große änderte diese Tradition und verheiratete seinen Sohn Alexej Petrovitsch mit einer deutschen Prinzessin. Seit dem wurde Deutschland zum größten Brautlieferanten der russischen Zarenfamilie. Das hatte vielerlei Gründe. Vor allem hatte Deutschland sehr viele Dynastien wodurch die deutsche Prinzen und Prinzessinnen prädestiniert für gewinnbringende Ehen in ganz Europa zumal diese bereit waren ihre Konfession zu ändern. Das Übertreten zur Orthodoxie war eine unabdingbare Bedingung seitens des Zarenhauses.

Russische Zarin Maria Fedorovna gehörte von ihrer Abstammung her zu einem der kleineren deutschen Fürstenhäuser. Ihre Mutter Frederike Sofie war die Tochter des Markgrafen Brandenburg Schwedischen und Kusine Friedrich des Großen. Der Vater Friedrich Eugen war der dritte Sohn des württembergischen Herzogs Karl Alexander. Weder Sie noch Ihre Nachkommen durften mit einer großen Kariere rechnen. Doch der Schicksaal wollte es anders. Friedrich Eugen überlebte seine älteren Brüder und wurde zum Herzog von Württemberg. Sein ältester Sohn wurde zum König von Württemberg und seine älteste Tochter Sofia Dorothea Augusta Luisa zu russischen Zarin Maria Fedorovna.

Im Jahre 1768 beauftragte Katharina die 2. welche sich um eine Heirat Ihres Sohnes, Großfürsten Pavel Alexeevitsch und Thronfolgers sorgte, den dennischen Diplomaten Asseburg kleinere deutschen Fürstentümer zu besuchen und nach einer vom alter passenden Braut zu suchen. Asseburg war ein begabter Gauner der es nicht zum Geheimnis machte die Interessen Preußens über alles zu stellen. Den Nutzen Friedrich des Großen suchte er auch der Erledigung Auftrag Katharinas der 2.

Sofia Dorothea wurde damals erst neun Jahre alt. Nach zeitgenossischen Angaben aber war sie bereits hoch gewachsen und von großer Gesundheit und Schönheit. Allein äußerlich schien sie älter und stach durch Charaktereigenschaften wie Bescheidenheit und unendliche Güte, weiche auch Ihr äußeres prägten hervor.

Asseburg besuchte im Frühjahr 1768 Treptau wo die Familie der kleinen Prinzessin lebte, merkte sie als mögliche Kandidatin worüber er Katharina zugleich informierte. Aus allen Prätendentinnen gefiel sie Katharina am meisten. Vieles in Ihren Biographien ähnelte: der Name, die Herkunft sogar die Geburtsstadt - Stetten. Katharina war bereit den Eltern des Mädchens anzubieten es zur Erziehung nach Russland zu holen. 1771 Schrieb sie:“ Ich kehre zu meiner Favoritin der Prinzessin von Württemberg, die im kommenden Oktober 20 wird. Die Einschätzung Ihrer Gesundheit und körperlichen Verfassung ziehen mich an. Sie hat auch einen Nachteil, nämlich den daß sie elf Geschwister hat“.

Als Folge von Intrigen Asseburgs, der seinen politischen Auftrag im Interesse Preußens erfüllte und aus gründen des alters Sofie Dorotheas, fiel die Wahl auf die Prinzessin von Hessen Darmstadt Wilhelmine. Im September 1773 Heiratete diese unter dem Namen Natalja Alexandrovna zu Ehefrau des Großfürsten Pavel Petrovitsch. Von der Katharina verheimlichte man allerdings, dass Wilhelmine unter der Wirbelsäuleverkrümmung. Dieser medizinische Befund war fatal, am 15 April 1776 verstarb sie bei einer unglücklichen Geburt. Noch am gleichen Tag begann Katharina eine neue Heirat für Ihren Sohn mit der württembergischen Prinzessin zu engagieren. Der Legende nach steckte sie ein kleines Abbild der jungen Prinzessin zu in welcher er sich sogleich verliebte.

Es schreckte sie nicht zurück, dass Sofie Dorothea bereits verlobt war mit dem Prinzen vom Hessen-Darmstadt, einem Bruder der verstorbenen Wilhelmine. Katharina gab dem Prinzen eine Rente in Höhe von 10 Tausend Rubel und schickte ihre Brautwerber ins Elternhaus der Prinzessin. Die Eltern waren sich über glänzenden Perspektiven Ihrer Tochter und der gesamten Familie bei dieser Heirat bewusst. „Wenn der Herr kein Wunder bezüglich deiner Heirat geschehen lässt, wissen wir nicht was wir mit deinen elf Geschwistern machen sollen“ – schrieb ihre Mutter. Über Gefühle konnte bei solchen Sachen keine Rede sein. Ehen von Prinzessinnen hatten ausschließlich politische Gründe. Eine Heirat zwischen Dorothea und Pavel war im Interesse der Großmächte Preußens und Russen. Sofia Dorothea fing im Zuge der Vorbereitungen des ersten Zusammentreffens mit dem Bräutigams die Russische Sprache zu lernen.



Zeitschrift «Dialog der Kulturen»

Projekt «Dialog der Kulturen»